Orale Supplementierung mit Magnesium (Mg): Gibt es Magnesiumverbindungen mit speziellen Wirkungen? Eine wissenschaftliche Bewertung

Sonja Raum1, Jürgen Vormann2

1Starnberg, Deutschland, 2Institut für Prävention und Ernährung, Ismaning/München, Deutschland

In Internet und sozialen Medien werden zunehmend einzelnen Mg-Verbindungen spezielle gesundheit­liche Wirkungen zugeschrieben: z. B. soll Mg-Bisglycinat besonders bei Schlafstörungen wirken, Mg-Threonat kognitive Funktionen fördern sowie Mg-Taurat Anti-Aging-Effekte haben, und sie sollen darin anderen Mg-Verbindungen überlegen sein. Sind diese Behauptungen wissenschaftlich haltbar?

Nach gängiger Lehrmeinung wird Mg aus verschiedenen Mg-Verbindungen nach oraler Gabe ausschließ­lich in Form des freien Mg2+-Ions intestinal resorbiert, sowohl beim aktiven, transzellulären Transport über Transportkanäle (TRPM6/TRPM7) als auch bei der passiven, parazellulären Diffusion über Tight-junction-Proteine (Claudine). Nach der Resorption können Mg2+-Ionen neue Verbindungen eingehen, aber sie „erinnern“ sich nicht an ihren Bindungspartner, d. h. die Art der ursprünglich zugeführten Mg-Verbindung spielt nach der Resorption keine Rolle mehr.

Vor diesem Hintergrund ist plausibel, dass sowohl in Bioverfügbarkeits- als auch in Interventionsstudien die Verfügbarkeit bzw. Wirkungen von Mg gemessen und diskutiert werden, aber nicht diejenigen der jeweiligen Bindungspartner. Es ist zwar denkbar, dass die Bindungspartner selbst Wirkungen im Stoff­wechsel entfalten. Die Studienlage zu Glycinat/Glycin bzgl. Schlaf und Threonat/Threonsäure bzgl. kognitiver Funktionen ist jedoch sehr eingeschränkt und widersprüchlich; lediglich für Taurin konnten gewisse Anti-Aging-Effekte nachgewiesen werden. Die Dosierung der jeweiligen Einzelsubstanz war allerdings in allen Studien deutlich höher als dies üblicherweise mit Mg-Supplementen erfolgt.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es keine wissenschaftlich belastbaren Daten gibt, die eine Überlegenheit einzelner Mg-Verbindungen hinsichtlich gesundheitlicher Wirkungen belegen. Gesundheit­liche Wirkungen sind auf den Mg-Anteil zurückzuführen und bei ausreichend hoher Dosierung mit jeder gut bioverfügbaren Mg-Verbindung zu erzielen.