Poster:
Bodo von Ehrlich, Kempten, Deutschland; Andrea Rosanoff, Hawai/USA
Der Bedarf für eine einfache, praxisnahe, kostengünstige Methode zur flächendeckenden Erkennung und Behandlung von Magnesiummangel (MM) wird offensichtlich in der pandemisch hohen Prävalenz von MM-assoziierten Krankheiten und den vielfach und weithin nachgewiesenen Nachteilen eines nicht diagnostizierten MM für die Patientenprognose. Verschiedene bisherige Ansätze fanden keine Verbreitung in Praxis und Klinikalltag.
Seit 2012 praktizieren wir in der Praxis routinemäßig neben der Bestimmung von Serum-Magnesium die Analyse und Berechnung des Mg/Ca-Quotienten in mmol/l / mmol/l. Dabei hat sich folgende Kategorisierung bewährt: Zielwert von 0,4 oder darüber; 0,36-0,399: Hinweis auf latenten MM und empfehlenswerten Supplementationsbedarf; 0,3-0,35: definitiver MM mit eindeutigem Supplementationsbedarf; ≥ 0,30 ausgeprägter MM mit hohem Supplementationsbedarf.
Methode: 2025 wurde eine unselektierte sequenzielle Kohorte von Magnesium-naiven Primärpatienten (hausärztlich/innere Medizin) an Hand des Mg/Ca Verhältnisses analysiert. Ziel war, den Anteil der Mg/Ca auffälligen Patienten insgesamt und in Relation zu alleiniger Serum-Magnesium-Bestimmung nach zeitgemäßem Normbereich (Rosanoff 2022; Micke 2021) und nach gängigem (obsoletem) Normbereich zu analysieren.
Ergebnisse: 30 Patienten (15-90 Jahre Ø 45,8 Jahre) davon 12 männlich (Ø 51,3 Jahre) und 18 weiblich (Ø 42,2 Jahre), wurden erfasst. 28 definitiv ohne vorangehende Magnesium-Supplementation in 2 Fällen unklar. MM nach Mg/Ca-Kriterium (< 0,36) 16/30, darunter falsch positiv nach der klinischen Erhebung 0/16. Normales Mg/Ca (i.e≥0,4)14/30. MM bei gemeinsamer Einbeziehung des Mg/Ca-Verhältnisses und Serum-Mg: 18/30 somit falsch negativ mit Mg/Ca alleine 2/14 (individuell erklärbar). MM auf Basis Serum-Mg < 0,8 mmol/l 7/30; auf Basis Serum-Mg < 0,75mmol/l 1/30. Auf Basis Mg/Ca waren von allen MM-Patienten 69% (weiblich) und 31% (männlich). Andererseits war das Ausmaß der mittleren Depletion bei Männern (Mg/Ca 0,327) niedriger als bei Frauen (Mg/Ca 0,337)
Schlussfolgerungen: Mit Hilfe des Mg/Ca-Verhältnisses im Serum – statt Serum Magnesium alleine – wird ein hoher Anteil von tatsächlichen MM Patienten zusätzlich detektiert: 15 zusätzlich gegenüber 1 mittels konventionellem Grenzwert 0,75 mmol/l. Die einfache kostengünstige Bestimmung des Mg/Ca Verhältnisses gehört demnach in die diagnostische und Behandlungsroutine. Das ist plausibel im Kontext mit zahlreichen epidemiologischen Studien zu einzelnen MM assoziierten Krankheitsentitäten Faktisch bleiben durch die Ignoranz effizienter Magnesium-Diagnostik zu 2/3 betroffene Patientinnen unter/fehlversorgt.
Literatur:
Rosanoff A et al. Eur J Nutr 2022; 61: 3697-3706; Micke O et al. Mag Res 2021; 34: 84-89
