Poster:
von Ehrlich B, Kempten, Deutschland
Zahlreiche epidemiologische Studien dokumentieren den günstigen Einfluss hoher Magnesiumspiegel auf die Insulinresistenz. Unter Einschluss der Metaanalysen (Zhao et al. 2020) sind ca 1.9 Millionen Patienten Basis dieser Aussage. Eine prospektive RCT mit täglicher Magnesium-Supplementation von 365mg/die über 6 Monate bei Patienten mit metabolischem Syndrom an einem kleinen Kollektiv (n = 52) konnte eine statistisch überlegene Reduktion des HOMA-Index – als Maß der Insulinresistenz – in der Magnesium-Supplementationsgruppe gegenüber der Placebo-Gruppe nachweisen (Mooren et al. 2011). Hervorzuheben ist, dass die Ausgangslage der Verum- und Kontrollgruppe mit 0,89 mmol/l im aktuellen Normbereich lag, der von nationalen Magnesiumgesellschaften (Micke et al. 2021) und der internationalen Magnesium Community (Rosanoff et al. 2022) gefordert wird. Prospektive Kurzzeitstudien bei Diabetikern (4 Σ n 222) unter Magnesiumsupplementation zeigen durchgängig eine Senkung des HOMA-Index und der Nüchternglucose. Magnesiumsupplementation scheint also demnach „ad on“ einen präventiven und kurativen Effekt für Patienten mit Insulinresistenz zu haben. Die Magnesiumsupplementation von insulinresistenten Metabolikern wie Diabetikern hat dennoch in die ärztliche Praxis bisher kaum Eingang gefunden. Langzeitstudien zur Magnesiumsupplementation auf die Insulinresistenz fehlen bisher.
Wir präsentieren einen inzwischen 83-jährigen männlichen Patienten mit Metabolischem Syndrom und stabiler kardiovaskulärer Situation bei dem unter über 10-jähriger Magnesium-Langzeitsupplementation und über den gesamten Zeitraum (73-83. Lebensjahr) dokumentierten Kontrollen des Serum-Magnesiums wie auch des Mg/Ca-Verhältnisses nicht nur ein Diabetesausbruch vermieden wurde, sondern der HOMA-Index trotz der 10-jährigen Alterszunahme sogar leicht abgesunken ist. Als Erklärungsmuster scheiden sowohl eine Insulinresistenz-relevante andere Medikation wie ein wesentlicher Gewichtsunterschied aus. Eine Retinopathie ist nicht eingetreten. In den kognitiven Routinetests ist der Patient unbeeinträchtigt.
Schlussfolgerung: Angesichts der multiplen sekundären Krankheitsfolgen einer Insulinresistenz sowie eines latenten und manifesten Diabetes (mikrovaskulär, u.a. Retinopathie, periphere und autonome Neuropathie) sowie deren Tertiärrisiken wie Visusverlust, Rythmusstörungen wie Vorhofflimmern, Sturzfolgen , kostenintensive Führerscheineinschränkungen/Verlust , u.a. ist die vorhandene Datenlage hinreichende Rechtfertigung für den Arzt, diesen Patienten den präventiven Sinn einer Magnesiumsupplementation plausibel nahezubringen. Angesichts aktueller präzedenzieller Rechtssprechung des Bundessozialgerichtes (2025), wonach eine individuelle, also N = 1, Hörverbesserung um 5-10% in Laborsituation für einen Hörbehinderten sogar die Kassenversorgung mit einem Hochpreishörgerät rechtfertigt, ist die Behinderungsprävention und Therapie mit Magnesium bei Insulinresistenten mit vielfach gewichtigerer Evidenz zu rechtfertigen. Eine Kostenerstattung für eine solchermaßen definierte Zielgruppe ist synoptisch zudem kosteneffizient für Versicherer.
Literatur:
Zhao B. et al. BMJ Open; 33: 2604-2610; Mooren FC et al. Diabetes Obes Metab 2011; 13: 281-284; Micke O et al. Mag Res 2021; 34: 84-89; Rosanoff A et al. Eur J Nutr 2022; 61: 3697-3706
