Jens Büntzel1, Klaus Kisters2, Sören Büntzel3, Oliver Micke4
1Klinik für HNO-Erkrankungen, Kopf-Hals-Chirurgie, Südharz Klinikum Nordhausen, 2Nierenzentrum Herne, 3Klinik für Strahlentherapie und Spezielle Onkologie, Medizinische Hochschule Hannover, 4Klinik für Strahlentherapie, Franziskushospital Bielefeld
Pharmakologisch scheinen drei Angriffspunkte von Magnesium für die HNO-Heilkunde relevant.
Mg und Schmerz. Als Antagonist des NM DA-Rezeptors kann Magnesium zu einer verbesserten peri- und postoperativen Schmerztherapie beitragen. Insbesondere bei schmerzintensiven Eingriffen im HNO-Bereich (z.B. der Tonsillektomie) können Opioide gespart werden und die Lebensqualität der Patienten verbessert werden. Auch die vasodilatative Wirkung von Magnesium kann analgetisch genutzt werden. Insbesondere in der Kopfschmerztherapie (Spannungskopfschmerz, Migräne) ist es
präventiv und therapeutisch anzutreffen. Einen großen Raum nimmt dieser Effekt des Magnesiums auch in der Behandlung des Schmerzes im Rahmen einer peripheren Neuropathie ein. Die Ursache der Neuropathie (Diabetes mellitus, post Zaster, Chemotherapie-induziert) spielt dabei eine untergeordnete Rolle.
Mg und Hörverlust. Die Supplementation der Nahrung mit Mg führt zu einer Reduktion der lärmbedingten Schwerhörigkeit. Intravenöses Magnesium ist auch als alternativer Therapieansatz in der Behandlung des Hörsturzes bekannt. Seine vasodilatative Wirkung findet bei der Therapie der Migraine cervicale Anwendung. Beliebt ist die Gabe von Magnesium im Rahmen der multimodalen Behandlung des Tinnitus aurium. Positive Berichte gibt es zur Behandlung der Tinnitus-bedingten
Insomnie durch orales Magnesiumsulfat.
Mg und onkologische Therapie. Bekannt sind Hypomagnesämien nach Cisplatin, Cetuximab, Herceptin und Calcineurininhibitoren (Tacrolismus, Ciclosporin). Für die systemische Behandlung von Kopf-Hals-Tumorpatienten erscheint dabei die mögliche Substitution von Magnesium im Rahmen des aktuell genutzten TPEx-Schemas wichtig. Dieses stellt eine Alternative zu Checkpoint-Inhibitoren in der fortgeschritten-rezidivierten bzw. fernmetastasierten Situation dar.
