Christina Wolfert, Klink für Neurochirurgie, Universitätsklinikum Augsburg, Deutschland
Die aneurysmatische Subarachnoidalblutung (aSAH) tritt mit einer Inzidenz von 7.9/100.000 Personen-Jahren auf.1 Wobei nicht nur das initiale Blutungsereignis eine Schädigung der intrakraniellen Regulationsmechanismen hervorruft. Nach kurzer Zeit entsteht der sekundäre Hirnschaden, welcher durch Neuroinflammation, ein zerebrales Ödem, zerebrale Vasospasmen und/oder verzögerte zerebrale Ischämien zu einem reduzierten funktionellen Outcome der Patienten beiträgt.2 Die bisherige Leitlinientherapie beinhaltet die Gabe von Nimodipin, dessen exakte Wirkungsweise jedoch nicht sicher geklärt ist.3,4 Auch wenn die vasodilatativen Eigenschaften von Nimodipin als Kalziumkanalblocker zu der Hypothese geführt haben, dass Auftreten und Schweregrad zerebraler Vasospasmen durch diesen Mechanismus reduziert werden.3
Als weiteres Medikament ist Magnesium in den Gegenstand der Forschung gerückt, da es in verschiedenen experimentellen Modellen eine signifikante Neuroprotektion bewiesen hat.5 Magnesium führt zu einer Hemmung der Blockade der postsynaptischen NMDA Glutamat Rezeptoren und der spannungsabhängigen Kalziumkanäle.6 Zudem trägt es zu einer Reduktion der Produktion von Endothelin bei und hemmt dessen vasokonstriktiven Effekt. Dies erfolgt möglicherweise durch die beschriebene Wirkung an den Kalziumkanälen.7 In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie konnte jedoch keine signifikante Besserung des klinischen Outcomes von Patienten mit aSAH nachgewiesen werden.8 Jedoch ist in dieser Studie lediglich die Substitution von Magnesium erfolgt, ohne tägliche Konzentrationsbestimmungen in Serum und Liquor, sodass nicht nachgewiesen werden kann, ob eine effektive Dosis erreicht wurde.
In dem Vortrag soll der bisherige Stand der Forschung sowie mögliche Perspektiven in der Anwendung erläutert werden.
Quellen:
1 Etminan N, Chang HS, Hackenberg K, de Rooij NK, Vergouwen MDI, Rinkel GJE, Algra A. Worldwide Incidence of Aneurysmal Subarachnoid Hemorrhage According to Region, Time Period, Blood Pressure, and Smoking Prevalence in the Population: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Neurol. 2019 May 1;76(5):588-597. doi: 10.1001/jamaneurol.2019.0006. PMID: 30659573; PMCID: PMC6515606.
2 Pugazenthi S, Norris AJ, Lauzier DC, Lele AV, Huguenard A, Dhar R, Zipfel GJ, Athiraman U. Conditioning-based therapeutics for aneurysmal subarachnoid hemorrhage – A critical review. J Cereb Blood Flow Metab. 2024 Mar;44(3):317-332. doi: 10.1177/0271678X231218908. Epub 2023 Nov 28. PMID: 38017387; PMCID: PMC10870969.
3 Robba C, Busl KM, Claassen J, Diringer MN, Helbok R, Park S, et al. Contemporary management of aneurysmal subarachnoid haemorrhage. An update for the intensivist. Intensive Care Med. 2024;50(5):646–64.
4 Caylor MM, Macdonald RL. Pharmacological prevention of delayed cerebral ischemia in aneurysmal subarachnoid hemorrhage. Neurocrit Care. 2024;40(1):159–69.
5 Muir KW. New experimental and clinical data on the efficacy of pharmacological magnesium infusions in cerebral infarcts. Magnes Res. 1998;11:43–56
6 van den Bergh WM, Dijkhuizen RM, Rinkel GJ. Potentials of magnesium treatment in subarachnoid haemorrhage. Magnes Res. 2004b;17:301–13
7 Berthon N, Laurant P, Fellmann D, Berthelot A. Effect of magnesium on mRNA expression and production of endothelin-1 in DOCA-salt hypertensive rats. J Cardiovasc Pharmacol. 2003;42:24–31
8 Dorhout Mees SM, Algra A, Vandertop WP, van Kooten F, Kuijsten HA, Boiten J, van Oostenbrugge RJ, Al-Shahi Salman R, Lavados PM, Rinkel GJ, van den Bergh WM; MASH-2 Study Group. Magnesium for aneurysmal subarachnoid haemorrhage (MASH-2): a randomised placebo-controlled trial. Lancet. 2012 Jul 7;380(9836):44-9. doi: 10.1016/S0140-6736(12)60724-7. Epub 2012 May 25.
